Die Geschichte des Pokerspiels in Film und Fernsehen

Die spannungsgeladene Aura rund um das Pokerspiel bietet sich geradezu an, daraus eine spannende Filmhandlung zu entwickeln, das hat sich in der Vergangenheit mehr als einmal klar gezeigt. Ob haarsträubender Thriller, charmanter Western oder witzige Komödie: der Poker-Stoff lässt sich auf viele verschiedene Arten kreativ verarbeiten, sodass wirklich jeder Filmfan etwas davon hat. Beweise gefällig? Aber klar!

 

Schon 1965 machten sich die Filmschaffenden über das fesselnde Kartenspiel her und zauberten daraus einen bis heute ungeschlagenen Klassiker. In der Hauptrolle: der unvergessliche Steve McQueen. In »Cincinnati Kid« glänzt er als aufstrebender Pokerprofi Eric Stoner, der sich durchs raue Leben kämpft. Sein Ziel ist es in New Orleans den Kartenspielkönig Lancey Howards zu schlagen, ohne sich dabei von seinem besten Kumpel mit schrägen Tricks helfen zu lassen. Der große Showdown verläuft ganz anders als erwartet, doch an dieser Stelle möchten wir besser nichts weiter verraten. Das Lexikon des internationalen Films bescheinigt dem 102 Minuten langen Kinofilm dank »guter Darstellung und dichter Atmosphäre eine interessante Milieu- und Charakterstudie« zu sein. Steve McQueens Pokerface gilt ohnehin als unübertroffen, darum sollte jeder Kartenspielfan dieses Meisterwerk, das bereits zahlreiche Pokerspieler in aller Welt inspirierte, einmal gesehen haben! 

 

Direkt im Jahr darauf zauberte Hollywood einen zweiten Pokerhit auf die Leinwand, diesmal mit weniger ernster Handlung, doch gewiss ebenfalls nicht ohne eine gute Portion Spannung. Mit »Höchster Einsatz in Laredo« schuf Produzent Fielder Cook eine flotte Western-Komödie mit Henry Fonda in der Hauptrolle. Der Vorzeige-Mime stellt in diesem Streifen einen einfachen Farmer dar, der für seine Verwandten ein besseres Leben ersehnt – und im Pokerspiel gegen fünf reiche Männer sein gesamtes Geld zum Einsatz bringt. Als er einen Schwächeanfall erleidet, muss seine Frau für ihn einspringen und das Blatt nimmt eine absolut unerwartete Wende. Über diesen Film dürfen wir wieder nicht allzu viel verraten, um die Pointe nicht zu zerstören. Drei Jahre zuvor befasste sich derselbe Produzent bereits damit, das Drehbuch fernsehgerecht zu verfilmen und wählte den großen Walter Matthau als Hauptdarsteller aus. Fielder Cook erhielt für diese Inszenierung einen Emmy, ebenso wie der Autor Sidney Carroll. Ob die beiden es sich verdient haben, lässt sich am besten durch eigene Anschauung feststellen.

 

Weiter geht’s im Jahr 1968, als das damals höchst aktive Komikerduo Walter Matthau und Jack Lemmon zuschlugen und das Bühnenstück »Ein seltsames Paar« auf der Leinwand zum Leben erweckte. Die Handlung dreht sich nur am Rande ums Pokerspiel, sondern vielmehr um die schräge Beziehung zwischen den beiden befreundeten Hauptdarstellern, doch Protagonist Oscar Madison (Matthau) lässt sich seine regelmäßig stattfindende Pokerrunde nicht nehmen. Beim Kartenspiel mit seinem Freunden entstehen die coolsten Dialoge, gewürzt mit wahren »Lebensweisheiten«. Auch im wirklichen Leben sind es gar nicht selten die nebenher geführten Gespräche, die einer Kartenspielrunde das passende Aroma verleihen. Jedenfalls macht es mit humorigen Typen oftmals vielmehr Spaß, ganz tief in die Karten zu schauen und sich hemmungslos dem Sarkasmus hinzugeben! Wer hat es nicht schon selbst ausprobiert?

 

Und noch eine Western-Komödie: wer erinnert sich an Mel Gibsons fabelhafte Interpretation des Pokerhelden Bret Maverick Jr. in »Maverick – Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel«? Der Film erschien 1994 und basiert auf einer US-amerikanischen Fernsehserie aus den 60er Jahren mit James Garner in der Titelrolle. Die alte Vorlage avancierte alsbald zum Welthit – und diente Garner als schwungvolles Karrieresprungbrett. Die Serie setzt allerdings eher auf spannende Dramaturgie, während der Film einige der witzigsten Comedy-Szenen aus TV und Film beinhaltet. Als charmantes aber gerissenes weibliches Gegenstück steht Mel Gibson die schöne Jodie Foster zur Seite, beide Stars verkörpern ehrgeizige Pokerasse, die sich darum bemühen, 25.000 Dollar zusammenzubringen, um an einem hochdotierten Turnier teilnehmen zu können. Dabei tricksen sich die Protagonisten gegenseitig aus, ohne verleugnen zu können, dass es kräftig zwischen ihnen prickelt. Genau wie sein Rollenvorgänger James Garner verkörpert Gibson die Art von Held, die einem handfesten Kampf lieber aus dem Wege geht, um mit heiler Haut davonzukommen. Doch wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt, kommt auch er handfest zur Sache – ebenso wie seine attraktive Konkurrentin.

 

Der Crime-Thriller »Rounders« löste im Jahr 1998 einen echten Pokerhype aus, nach der Ausstrahlung des Streifens schnellte die Zahl der Neueinsteiger ins smarte Kartenspiel sichtbar in die Höhe. Schauspieler Matt Damon galt ohnehin von Beginn seiner Karriere an als echter Goldjunge und brachte auch diesen Film trefflich nach vorn. Auch Edward Norton schneidet darstellerisch hervorragend ab, beide Akteure verkörpern wahre Spielernaturen. Protagonist Mike McDermott (Damon) beendet seine Pokerkarriere nach einem verlustreichen Spiel gegen einen russischen Mafia-Boss – und wendet sich nun ganz seiner großen Liebe Jo zu. Doch als sein alter Kumpel »Worm« aus dem Gefängnis freikommt, greift Mike wieder zu den Karten, um dessen Spielschulden zu begleichen. Die Sache hat einen großen Haken: Worm setzt auf Betrügereien statt auf faires Spiel, was Mike gar nicht gefallen will. Dieser entpuppt sich als unglaubliches Pokertalent, muss aber auf seinem Weg zum Ziel so einiges einstecken.

 

Noch im selben Jahr flackerte der Neo-noir-Film »Der Croupier – Das tödliche Spiel« über die Leinwand, ein britisches Drama, das dem Pokerboom sicher noch ein Stück mehr auf die Sprünge half. Auch hier steht wieder ein Ex-Poker-As im Mittelpunkt der Handlung, welches sich aus dem Kartenspiel zurückgezogen hat, um sich einer anderen Leidenschaft zuzuwenden: der Schriftstellerei. Doch der Erfolg im neuen Metier bleibt aus, sodass er sich schließlich als Croupier verdingt, immer auf der Suche nach Inspirationen für einen echten Bestseller. Clive Owen verkörpert den Hauptdarsteller Jack Manfred, der die schöne Jani alias Alex Kingston kennenlernt und recht schnell mit ihren Plänen konfrontiert wird: um ihre Spielschulden zu begleichen, möchte die junge Frau ein Casino überfallen. Interessant gestaltet sich vor allem die äußere Form dieses Films, denn der Protagonist kommentiert die gesamte Story aus dem Off, würzt seinen Monolog mit jeder Menge Ironie und versucht, aus dem Geschehen einen Roman zu gestalten. Genügend Stoff dafür findet er ganz bestimmt!

Wer über das Thema Pokerfilme sinniert, kommt an James Bond nicht vorbei! Natürlich steht bei »Casino Royale« aus dem Jahr 2006 nicht wirklich das Kartenspiel im Mittelpunkt des Geschehens, sondern wie immer der schillernde Geheimagent 007 mit seinen unfassbaren Abenteuern. In diesem Fall durfte Daniel Craig in die Rolle des weltberühmten Protagonisten schlüpfen und machte seine Sache nach übereinstimmenden Meinungen wirklich gut. Die Pokerszene im Film sticht mächtig heraus und dürfte jedem Zuschauer im Kopf geblieben sein: hier tritt James Bond persönlich gegen den fiesen Bösewicht Le Chiffre an, nachdem dieser beinahe erfolgreich versucht hat, den Agenten zu vergiften. Gespielt wird Texas Hold’em, und zwar mit schwindelerregend hohen Einsätzen. Le Chiffre gelingt es tatsächlich, seinen erfahrenen Gegner zu bluffen, doch ob das für den Spielgewinn ausreicht, dürfen wir an dieser Stelle nicht verraten. Wer als Pokerfan diesen Film noch nicht gesehen hat, sollte ihn sich wirklich anschauen und die coole Casinoszene in vollen Zügen genießen!

 

Wir sehen also deutlich: Das Pokerthema kam im Laufe der Filmgeschichte immer wieder zum Zuge, es ist kaum möglich, sämtliche Serien und Filme lückenlos aufzuzählen. Doch eine Verfilmung möchten wir zum Schluss noch kurz nennen, hierbei handelt es sich um eine Dokumentation, die jede Menge lebendige Informationen zur Geschichte des Pokerspiels liefert. »All in: The Poker Movie« liefert im Grunde genommen die Gründe für die anhaltende Faszination, die von diesem Kartenspiel ausgeht. Kurz gesagt: es geht um die Erfüllung des verheißungsvollen amerikanischen Traums.